Haftpflicht bei Kinderbetreuung

Nov 16, 2019 | Babysitter, Expertenwissen, Familienleben

Nachbarsfamilien greifen sich unter die Arme und betreuen abwechselnd für einander die Kinder. Was passiert im Fall von Sach- oder Personenschäden? Wie sichere ich mich ab? André Brumme vom Finanzkompass beantwortet unsere Fragen zur Haftpflicht bei Kinderbetreuung. 

André Brumme

„Ich habe eine dreijährige Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolviert. Seit 2001 bin ich in der Versicherungsbranche und seit 2015 bei der Finanzkompass GmbH tätig. Der Sachversicherungsbereich ist mein persönliches Steckenpferd – dies umfasst insbesondere die Hausrat- und Haftpflicht- sowie die Unfallversicherung.“

Haftpflichtversicherungen und die Frage der Aufsichtspflicht

SitEinander: Wenn Sie zum ersten Mal von unserem Konzept des gegenseitigen Babysittings hören – welches unter Anderem umfasst, dass Eltern die Kinder gegenseitig abholen, dass dabei Auto gefahren wird, dass man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, dass zu Hause oder eben auch draußen getobt wird – woran denken Sie als Versicherungskaufmann da als Erstes?

Brumme: Im Schadensfall muss man sich die Frage stellen: Ist das Kind oder der Aufsichtspflichtberechtigte (Person, welche vorübergehend das Babysitting übernimmt) überhaupt haftbar zu machen.

  1. Wenn man als befreundete Person oder als Elternteil seine Aufsichtspflicht nicht verletzt, ist man im Endeffekt auch nicht haftbar zu machen.
  1. Bei Ihrem Konzept des gegenseitigen Babysittings ist eine Haftbarmachung des Kindes eher unwahrscheinlich, da der Gesetzesgeber speziell für Kinder Grenzen gesteckt hat. Wenn zum Beispiel ein Kind vor dem vollendeten siebten Lebensjahr einem Dritten Schaden zufügt, ist es dafür nicht haftbar zu machen. Im Straßenverkehr liegt diese Grenze sogar bei neun Jahren.

 

Was geschieht, wenn unsere Kinder ihre Freunde aus der Kita zu Besuch haben und etwas oder jemand zu Schaden kommt?

Bild von Lorem Ipsum via Unsplash

Fazit: Wenn also in einem Schadenfall der Aufsichtspflichtberechtigte seine Aufsichtspflicht nicht verletzt hat (nicht haftbar) und das Kind sein siebtes Lebensjahr noch nicht vollendet hat (nicht haftbar), wird die Haftpflichtversicherung nach den allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht für den Schaden aufkommen.

SitEinander: Da greift dann keine Versicherung?

Klauseln in der Haftpflichtversicherung bei Schäden durch nichtdeliktfähige Kinder

Brumme: In der Regel nicht, da die allgemeinen Versicherungsbedingungen dies konkret ausschließen. Alle Haftpflichtversicherungen werden durch besondere Bedingungen und Zusatzklauseln ergänzt oder erweitert. Hierbei ist darauf zu achten, dass eine entsprechende Klausel enthalten ist, die diesen Ausschluss revidiert und wieder für Schäden durch nicht deliktfähige Kinder bei erfüllter Aufsichtspflicht aufkommt. Je nach Leistungspaket der Versicherung sind die Erstattungssummen dann aber oft begrenzt und/oder mit Selbstbeteiligung versehen.

 

Wichtig zu beachten: Die erwähnten Klauseln gelten nur für Personen- oder Sachschäden an Dritten sowie Personenschäden am Aufsichtspflichtberechtigten – nicht für Sachschäden durch das Kind am Aufsichtspflichtberechtigten. Aus meiner Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass auch bei Sachschäden am Aufsichtspflichtberechtigten oft aus Kulanz geleistet wird.

 

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Die Qual der Wahl: Welche Haftpflichtversicherung für die Kinderbetreuung?

SitEinander: Wenn ich eine Haftpflichtversicherung wähle, nach welchen Kriterien gehe ich da konkret vor? Besonders in Bezug auf das gegenseitige Babysitting, wo es mir vor Allem darum geht, bei einem Schadensfall an und von Kindern abgesichert zu sein?

Brumme: Bei Ihrem Konzept sind folgende Kriterien empfehlenswert: Klausel bzgl. Deliktunfähigkeit, geringe/keine Selbstbeteiligung, hohe Versicherungssummen und kundenfreundliche Formulierung der Versicherungsbedingungen.

Günstige Versicherungen: Welche Fallen gibt es?

Brumme: Meine Erfahrung aus den letzten 16 Jahren ist:

1. Umso günstiger die Versicherung, desto genauer sollte man die Versicherungsbedingungen lesen.

2. Umso günstiger die Versicherungen werden, umso mehr Nachweise (Originalbelege, Kostenvoranschläge, etc.) muss man im Schadenfall einreichen. Sollte man diese nicht einreichen können, wird oft nur eine Pauschale erstattet.

Man sollte daher nicht immer die preiswerteste Versicherung wählen!

Meine persönliche Empfehlung: Fast alle großen Versicherungsgesellschaften auf dem Markt haben faire Preise und die Erstattung im Schadenfall funktioniert meiner Erfahrung nach reibungslos. Gern können sich die Eltern, die Ihre App nutzen, von mir persönlich, telefonisch und kostenfrei beraten lassen.

Fazit: Schauen Sie sich den Vertrag genau an: Ist eine Deliktsunfähigkeitsklausel vorhanden und welche Belege sind im Schadenfall nötig, damit der Schaden erstattet wird. Erst dann entscheiden Sie sich für das bessere (unbürokratischere) Angebot.

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